Samstag, 17. März 2018

Ein Porträt von Gefühlen - ein Interview mit Josephine Frey






Mit ihrem Instagram-Profil josephineschreibt hat alles angefangen, jetzt hat die junge Autorin ihr erstes Buch Im Enddefekt unter dem Pseudonym Josephine Frey veröffentlicht.


Du studierst Drehbuch an der Hochschule für Film und Fernsehen. Wie würdest du sagen, beeinflusst das die Art, wie du schreibst?

Das beeinflusst mich witzigerweise gar nicht. Ich habe angefangen, Drehbuch zu studieren, weil ich mich mit allen Sachen, die Drehbücher beinhalten, schwer tue. Mein Buch besteht aus inneren Monologen und spiegelt die innere Gefühlswelt wider. Das sind also Dinge, die man nicht filmisch darstellen kann. Was ich gerade lerne, ist, mit Dialogen und Dramaturgie zu arbeiten. Das sind beides Aspekte, die im Buch nicht vorkommen. Deswegen versuche ich zweigleisig zu fahren und entweder nur ein Drehbuch zu schreiben oder, wie im meinem Buch, über etwas zu schreiben, das man so gar nicht verfilmen könnte.

Auf welche Art und Weise schreibst du?

Für mich ist das Schreiben sehr intuitiv, weil ich die meisten Zitate irgendwann einfach im Kopf hab. Ich schreibe das nicht direkt auf, sondern habe dann fünf oder sechs Sätze im Kopf, bevor ich den Text schreibe und dann bilde ich den Rest drum herum. Meistens benutze ich ein Gefühl oder ein Situation als Ausgangslage und versuche es dann zu beschreiben. Mein ursprüngliches Ziel war, ein Gefühl so detailliert wie möglich zu beschreiben, aber gleichzeitig so offen zu lassen, dass sich so viele wie möglich damit identifizieren können. Ich glaube, jeder kennt diese Schuld, diese Einsamkeit.

Wie hast du einen Verlag gefunden?

Ich hatte ganz viel Glück. Ich hab den Instagram-Account vorher angefangen, weil ich schauen wollte, ob sich viele Leute angesprochen fühlen, wenn ich es so offen wie möglich lasse, aber die Gefühle so explizit wie möglich beschreibe. Das hat tatsächlich Leute angesprochen und zwar ziemlich viele, anfangs ungefähr 300 bis 400. Und dann hat mich ein Autor vom Unsichtbar-Verlag angeschrieben, der meine Texte gut fand und sie seinem Verleger vorstellen wollte. Dann haben wir uns alle drei bei einer Lesung in Augsburg getroffen, das hat einfach gepasst. Da hatte ich 4 bis 5 Geschichten fertig und dann durfte ich noch ein Dreivierteljahr an diesen Geschichten arbeiten. Ich konnte nebenher schreiben, bis es fertig war und hatte alle Zeit, die ich brauchte und auch die Gewissheit, dass das Buch entsteht.

Josephine ist eine Kunstfigur. Wie würdest du sie mit drei Worten beschreiben?

Sehr befindlichkeitsfixiert, sensibel und zu passiv.

Wie stark kannst du dich mit ihr identifizieren?

Für mich ist es so: Ich kann alles nachvollziehen, was ich schreibe und ich bin immer nah an den Gefühlen, nicht unbedingt in der Situation, aber ich kenn das Gefühl sehr gut, das ich versuche auszudrücken. Ich kritisiere das aber selber. Ich finde das nicht gut so. Ich bin selbst gerne in dieser leidenden, passiven, nostalgischen Rolle, aber denke mir dann, dass ich damit nichts bewege. Ich bin gern in diesem Gefühl drin, aber gleichzeitig find ich es nicht gut. Deswegen hab ich auch die Geschichte von Halim als letzten Text mit reingenommen, weil der Text als Querschläger fungieren soll. Es soll zeigen, dass es Leid gibt, das viel größer ist, als dieses selbstzentrierte „Mir geht’s schlecht, aber eigentlich geht’s mir gut“, dieses übersättigte Leid. Und weil ich dieses Gefühl kenne, aber das nicht hundertprozentig ich bin, bin ich ganz froh, dass ich es auf die Josephine-Figur projizieren kann.

Du liest ja auf der Leipziger Buchmesse - hast du schon mal vor mehreren Leuten gelesen?

Ich war schon auf mehreren Lesungen und hab vor 100 bis 200 Leuten gelesen, aber seltener in letzter Zeit. Ich freu mich schon riesig, wir haben bedruckte Taschen und die Bücher dabei und Buttons gemacht und meine Illustratorin kommt auch mit.

Welche Bücher inspirieren dich?

Ich bin ein ganz großer Fan von Elfriede Jelinek. Sie hat Lust geschrieben, das fand ich ganz toll. Thomas Ballhausen find ich auch super.

Wie würdest du dein Buch beschreiben?

Es ist ein Porträt von Gefühlen, wie man sich Anfang, Mitte 20 fühlt. Was ich in meinem Alltag erlebe und womit sich Leute in dem Alter identifizieren können. Ich würde es gern als Porträt einer jungen Frau sehen. Das wird auch von den Zeichnungen unterstützt.

Denkst du es ist schwieriger, über Glück zu schreiben, als über negative Sachen?

Ja, absolut! Ich kann nicht über Glück schreiben, weil das dann immer leicht kitschig wird. Ich finde es auch nicht so spannend, also schreibe ich nicht, wenn ich glücklich bin, weil ich dann keinen Grund dazu habe.

Text: Carina Eckl
Foto: Ornella Cosenza

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